Sonntag, 19. April 2009

Mal wieder Endstation?

...und niemand hört Dir zu... niemand sieht Dich an... niemand nimmt Dich wahr. So ein Jammer aber auch^^

Was soll's. Rauch' Deine Zigarette, geh' zu Bett, wein' Dich in den Schlaf. Morgen schon wieder stehst Du strahlend auf Station und spielst den Engel für "Deine" Patienten. Mimst den glücklichen Clown in der Manege des Lebens und abends schminkst Du Dir Dein Lächeln ab um Dich wieder weinend in den Schlaf zu wiegen... Irgendwann wirst Du Dich schon dran gewöhnen... Irgendwann...

_ ja irgendwann einmal _


vielleicht____

Dienstag, 7. April 2009

Wenn jemand eine Reise tut...

... so kann er was erzählen ...

"Sehr geehrte Reisende, willkommen an Bord des RE****. Wir freuen uns Sie hier begrüßen zu dürfen und wünschen Ihnen eine gute Fahrt. Bei Fragen wenden Sie sich an Ihren Führer."

Wirre Blicke... und wenige Sekunden später ein zwei Reihen hinter mir:

"Der lebt noch?"

Kurz vor dem nächsten Halt:

"Werrrte Reisende, in Kürrrze erreichen wir Schwanheide. Der Ausstieg befindet sich in Fahrtrrrichtung rrrrrechts!"


Ein Schmunzel konnte ich mir einfach nicht verkneifen...

Donnerstag, 2. April 2009

*wirr*

Es war einmal ein Strumpf. Ein ziemlich verschlissener Strumpf. Mit großen Löchern und gerissenen Fäden. Innen schon lange nicht mehr wolligweich, viel mehr unschön fusselig. Und dann gab es da eine Socke. Eine ziemlich liebe Socke. Ein Socke, die stets ein offenes Ohr für den zerfetzten Strumpf hatte, wenn dieser es denn mal zuließ. Vor einiger Zeit besuchte der Strumpf die Socke, weil er zufällig in der Gegend war. Es war ein recht angenehmer Abend und der Strumpf musste zugeben, dass er mit der Zeit die Socke eigentlich sehr lieb gewonnen hatte. Kurz darauf erfuhr dieser manchmal durchaus blinde und naive Strumpf, dass die Socke den Strumpf auch lieb hatte. Bissl mehr lieb vielleicht sogar. Bissl mehr lieb als dem Strumpf vielleicht lieb war. Doch das Strümpfchen dachte sich nichts weiter dabei. Aber es begab sich, dass die Socke nach Straßburg fuhr. Zum Demonstrieren. Und nun erwischte sich der alte löchrige Strumpf, wie er Nachrichten verfolgte und nach Informationen suchte, wie die Demos wohl verliefen. Ob alles friedlich wäre und ob es auch ja nicht zu Ausschreitungen käme. Er hatte sich ertappt. Und zwar dabei, wie er sich Sorgen um das Söckchen machte. Und erst als dem Strumpf das auffiel, wurde ihm auch bewußt, wie sehr er sich über eine Nachricht von der Socke freute. Ja, der Strumpf hatte die Socke gern. Sehr gern. Lieb sogar. Aber so lieb? So lieb, dass der Strumpf sich Sorgen um das Wohlbefinden der Socke machte? So lieb, dass eine kleine Nachricht ein Lächeln in das verzerrte Bündchen des Strumpfes zaubern konnte? So lieb, dass der Strumpf sich solche Gedanken macht? Gedanken darüber macht, was es bedeuten mag, dass er sich solche Sorgen um die Socke macht? Der Strumpf ist etwas wirr... etwas mehr wirr sogar. Er erschrickt vor der Erinnerung an jenen Abend in dem Kneipchen, der so schön entspannt und unterhaltsam war. Vor der Erinnerung daran, dass dieser Abend überhaupt so schön war. Vor dem Gedanken, dass die Erinnerung irgendwie nervös macht und geradezu zu einem leisen Lächeln zwingt. Die Socke schenkte dem Strumpf Lilien. Dabei kann sich der Strumpf nicht wirklich entsinnen, der Socke mal erzählt zu haben, dass er Lilien so gerne mag. Aber die Socke brachte Lilien. Und irgendwie spürt der Strumpf in Gedanken daran ein seltsames Gefühl in der Gegend, in der wohl das versteinerte und vernarbte Herzchen zu vermuten wär. Doch statt sich vielleicht darüber zu freuen, bekommt er Angst. Einfach nur Angst. Und ein schlechtes Gewissen. Fühlt sich verunsichert. Traut ihm nicht. Diesem seltsamen Gefühl. Das ist doch bestimmt alles nur ein Trugbild. Ein Wunschdenken. Eine unerfüllte Sehnsucht. Danach jemanden lieb zu haben. Und von demjenigen gemocht und wahrgenommen zu werden. Von ihm Blumen, gar Lilien zu bekommen. Sich in dessen Gegenwart wohl zu fühlen. Entspannt ein zwei Staropramen zu genießen, dabei gemütlich die eine oder andere Zigarette zu rauchen und vor allem... sich in der Situation wirklich wohl zu fühlen. Zu erzählen. Sich zu unterhalten. Reden. Verstanden werden. Reflektiert werden. Sich angenommen fühlen. Ab und an auch gerade gerückt zu werden. Aber dieser olle zerfledderte Strumpf ist ein dummer Strumpf. Anstatt diese Erinnerung, diese Situation einfach zu genießen - grübelt er. Denkt nach. Dreht und wendet. Traut seinem Gefühl nicht. Galt dies denn wirklich der Socke? Hätte nicht jeder andere mit solch einem Verhalten gegenüber dem Strumpf dasselbe erreichen können? Sieht der Strumpf in der Socke wirklich die Socke oder vielleicht doch jemand anderen, von dem er sich all das, was dieser eine Abend bescherte und aus dem Strumpf für den Moment machte, gewünscht hätte? Ist der Strumpf überhaupt fähig jemand anderen zu sehen, abseits von Socken oder anderen? Oder dreht sich die strumpfige Welt nur um eine Person? Ist alles was passiert oder noch geschehen wird auf eine Person konzentriert? Kann der Strumpf seine kleine vermauerte Welt öffnen um diese eine Person hinaus und andere, zum Beispiel Socken, hineinzulassen? Ist der Strumpf dazu in der Lage? Ist der Strumpf mit all seinen Löchern dazu bereit? Will der Strumpf das? Oder wirft er lieber alle zusammen hinaus und bleibt für sich allein... allein mit seinen Sehnsüchten und Wünschen. Allein mit sich. Allein mit seinen Gefühlen. Nur um auf Nummer sicher zu gehen und sich nicht von sich selbst betrügen zu lassen. Sich nicht fragen zu müssen, ob er seinen Gefühlen trauen kann. Ob er sich trauen kann. Ob er anderen trauen kann. Ein Strumpf auf der Flucht vor sich selbst und seinen Gefühlen. Auf der Flucht vor seinen Sehnsüchten, Bedürfnissen und Träumen. Auf der Flucht vor allem und jedem. Vor allem vor sich selbst. Vor allem vor der Suche. Hinaus mit Euch! Hinaus mit Euch allen! Hinaus mit Dir, der Du mir so verdammt weh tatest und mich um mein Leben betrügtest und meine Liebe mit tanzenden Füßen zertreten hast. Mein Herz verwundet und meine Seele mißbraucht hast. Hinaus mit Euch allen, die mir versuchen zu nahe zu kommen! Ich traue Euch nicht! Ich traue mir nicht! Ich will allein sein! Ich MUSS allein sein! Ich... ich muss vergessen. Alles und jeden vergessen. Am besten auch mich selbst...

Sonntag, 29. März 2009

Salz brennt auf bleichen Wangen

Er ist wieder da. Dieser Gedanke. Dieser eine, der alles beendet. Wieder da... nein, er war immer da. Doch mal mehr mal weniger präsent. Gestern jedoch blitzte er auf wie ein grelles Licht. Bohrte sich hartnäckig in mein Hirn, in die tiefsten Tiefen meines Herzens. Ließ sich nicht abschütteln. Grub Bilder in meine Augen, die sich nicht länger verdrängen lassen wollten. Beschwor mich endlich aufzugeben. Fletschte die Zähne und knurrte "Laß los". Hieb seine Klauen in mein vernarbtes Fleisch. Es wäre ein Leichtes. Ein Leichtes alles zu beenden. Ich hab dazu gelernt. Hab mich versorgt mit Mitteln, die zu 100% zum ersehnten Ergebnis führen würden. Anderthalb Schachteln Vivi***... lächerlich. Doch nun beinhaltet mein "Notfall"kästchen sehr viel effektivere Bonbons. Einen mehr als zuverlässlichen Cocktail der Resignation. Heut Nacht zählte ich immer wieder die roten, grünen, blauen, weißen, rosa- und orangefarbenen ****** Es wäre so einfach. So verdammt einfach!

Warum fällt es dann doch irgendwie "schwer"? Bin ich denn irgendwem verpflichtet? Berechtigt verpflichtet? Schulde ich irgendwem noch etwas? Hält mich noch irgendetwas fest? Habe ich Angst? - Die Antwort ist erschreckend simpel - Nein! Doch was hindert mich dann noch? Der Glaube, die Hoffnung es doch noch zu schaffen? Den Wolf abermals töten zu können bevor er zum letzten entscheidenden Biss ansetzen kann? Die blutenden Wunden doch noch stillen zu können? Aber was soll das noch bringen? Ist eine Wunde zartrosa vernarbt, bricht eine andere wieder auf, wird eine neue geschlagen. Gleichgültig, wie sehr ich mich zu wehren suche... es ist vergebens. Immer wieder übermannt mich das Gefühl der Überforderung, der Ohnmacht, der Auswegslosigkeit. Immer wieder überschlagen sich niederschmetternde Ereignisse. Werden Erwartungen an mich gestellt, die ich nicht erfüllen kann. Immer wieder wird mir Verantwortung für Situationen und Zustände aufgedrängt, die ich nicht einmal ansatzweise hätte beeinflussen können.

Ich bin auch nur ein Mensch. Und ich bin überfordert. Mit allem. Ob es andere oder mich selbst betrifft.

Gestern wanderte die Dose zurück in den Schrank. Und auch heute wird es dorthin zurückgestellt. Aber was wird morgen sein? Oder in einer Woche? Wie lang noch kann ich den Druck ertragen und bekämpfen? Ich weiß es nicht. Mir ist es letztendlich egal.

Mittwoch, 11. Februar 2009

...

Das ist nicht gut. Gar nicht gut. Für mich nicht gut.

Ich bin aber auch dämlich. Falle schon wieder drauf rein. Lass mich schon wieder um den Finger wickeln. Das muss aufhören. Das darf nicht sein. Darf nicht! Ich bin so dumm...

Freitag, 6. Februar 2009

...

Mittwoch, 4. Februar 2009

...

Ich war tatsächlich zur Schule. Trotz nicht schlafen könnens. Nur nicht zuhause bleiben. Irgendwas tun. Irgendwie funktionieren. Vorgeben zu funktionieren. _Mir_ vormachen zu funktionieren.

Ich bin etwas spät dran. Unschlüssig stehe ich vor der Tür zum Klassenraum. Schritte auf der Treppe. Die Lehrerin. Nun muss ich wohl. Also rein.

Das Geplaudere verstummt. Die bohrende Blicke spürend setze ich mich betont gleichgültig oder gefasst oder was auch immer auf meinen Platz. Gemurmel in der Klasse. Krankenhaus... etwas Ernstes... Bruchstücke aus dem Gemurmel. Irgendwie schmunzel ich innerlich. Dummes Pack.

Knapp anderthalb Stunden "Soziale Absicherung in Deutschland". Ich sollte zuhören. Kann mich nicht konzentrieren. Statt Mitschriften über Arbeitslosen-, Renten-, Kranken-, Unfall- und Pflegeversicherung entsteht Blogeintrag "Dienstag". Da noch in einem Stück.

Pause. Wider Erwarten verlasse ich nicht den Raum wie gewohnt um eine zu rauchen. Die Schüler schauen irritiert. Wieder Flüstern. Krankenhaus...? ...was Ernstes? Ich stehe auf, setze mich auf meinen Tisch, blicke mich um. Das Gemurmel verstummt. Sie starren zurück. Ich höre mich sagen:

Gerüchteküche ist am Brodeln? Ich bin da... Ihr könnt fragen.

Betretenes Schweigen.
A. plappert zuerst los. Ich muss schmunzeln. Irgendwie hatte ich das erwartet. Hatte sie doch im Schreibwarengeschäft gestern schon einen Versuch unternommen.

"Was ist denn nun mit Dir? Wo warst Du so lange? Warum musstest Du ins Krankenhaus? Hast Du was Ernstes?"

Ich spiele mit dem Gedanken auszupacken. Ganz und gar. Ich fühle mich überlegen. Die sind schließlich alle 4-8 Jahre jünger als ich. Ich weiß, was los ist. Sie erwarten eine spektakuläre Erklärung.

Ich war im Krankenhaus, weil ich mir die Psychiatrie anschauen wollte.

Pause. Wirkungsvolle Pause. Ich überlege. Spiele ich weiter? Gebe ich ihnen aufregenden Gesprächsstoff? Befriedige ich ihre Sensationsgeilheit? Nein. Ganz entschieden NEIN. Heute fühle ich mich "stark", amüsiere mich über sie. Die "Kinder"... sry, aber diese Klasse kann ich einfach nicht ernst nehmen. Bis auf eine Ausnahme. Ein Problemfall. Aber den kann ich mir in meinem momentanen Zustand nicht aufhalsen. Wie auch immer. Heute fühle ich mich überlegen... aber morgen? Traue ich mich dann morgen noch zur Schule? Wohl nicht. Also NEIN.

Es gab Probleme wegen des Praktikums. Ich wollte es in der psychiatrischen Abteilung des G**** Krankenhauses machen. Aber leider geht das auf einmal nicht mehr, weshalb mich die Pflegedienstleitung bat nochmal vorbeizukommen. Hat sich nun aber geregelt.

Die Enttäuschung ob der unsensationellen Information stand einigen recht deutlich ins Gesicht geschrieben. Manche jedoch sahen aus als würden sie lüsternd auf weitere interessantere Erklärungen warten.

"Und warum warst Du nun so lange nicht hier? Ich hab Dich letzte Woche gesehen, wie Du in den Bus zum KH gestiegen bist."

Grippe. Schlichtweg eine Grippe. Zumindest die eine Woche. Die zweite Woche Superinfektion. Sprich Grippe plus Bronchitis und Verdacht auf Lungenentzündung. Die anderen vereinzelten Fehltage - Kreislaufprobleme. Ihr wißt schon... lange krank, da kann das mal vorkommen, dass der Kreislauf bißchen verrückt spielt.

Nun waren sie tatsächlich alle enttäuscht. Ein Jammer aber auch. *schultern zuck*

Ich bin irre! Ich bin vollkommen irre! Was habe ich mir nur dabei gedacht? Das war doch nicht ich, oder doch? Das ist doch nicht meine Art, mich freiwillig auf ein Silbertablett zu stellen und... ach ist auch egal. Pause ist vorbei. Nun noch anderthalb Stunden Pflege und dann ab nachhaus. Schlafen. Ich bin so verdammt müde. Ich will endlich mal wieder schlafen. Und vor allem nicht denken.

Musik kann ich mir übrigens immer noch nicht in die Ohren stopfen.

I. ist ein Idiot. Ich warte schon wieder auf die Unterhaltszahlung. Miete ist bezahlt. Von der tollen BAföG-Nachzahlung. Immenser Betrag^^. Und ich hatte gehofft, mir die knapp 100Euro für ein Tattoo oder vielleicht auch für _die_ Jacke weglegen zu können. Aber nun sind eben nur noch wenige Taler auf dem Konto, die mich höchstens über eine, ohne Zigaretten ganz eventuell auch über zwei Wochen bringen. Ohne KV und andere Rechnungen zu berücksichtigen. Die können mal wieder nicht bezahlt werden. Und irgendwie juckt mich das gerade nicht mal wirklich. In Anbetracht jüngster Vorkommnisse und des nach wie vor bestehenden Gefühlschaos, geradezu lächerliches Problempotenzial.

Dienstag Part V

Zum Zahnarzt. Alles ok, soweit.
"Belassen wir es beim ursprünglichen OP-Termin?" - Meinetwegen.

Unschlüssig bleibe ich vor der Tür stehen. Nachhause? Langsam mache ich mich auf den Weg Richtung Bus. Nein, ich gehe doch lieber zu Fuß.

Das kann nicht wahr sein! Die Kopfhörer geben den Geist auf. Keine Musik. Keine Ablenkung. Eine halbe Stunde Fußweg vor mir. Denken. Die Gedanken kreisen. Ich will nicht an... ich will nicht daran denken. Ich will überhaupt nicht denken.

Zuhause. Schlafen? Essen? Nicht wirklich.
Weshalb auch immer - ich suche meine Hefter raus und lerne. Ich. Lernen. Hängengeblieben ist nichts. Aber es verging wenigstens Zeit.

Das Forum. Eine Entschuldigung wäre wohl fällig. MSN? Geht nicht. ICQ? PN? Gar anrufen? Ich bin feige. Nur ein Text im Blog. Dank PW kann sowieso nur eine Person es lesen.

Müde... schlafen... Schule morgen? Mal sehen.

Der Tag war mies. Aber irgendwie hab ich ja doch ein bißchen was geschafft. Versuche ich mir zumindest einzureden.

Dienstag Part IV

Warten auf den Bus. Wohin?

Ach, muss noch zur Post. Schon wieder Telefon. Mutter.

"Bin in G... Mit Vati. Was machst Du grad?"
Bin auf dem Weg in die Stadt.
"Treffen?"
Hmm.

Auf dem Weg zur Post am Studio vorbeigekommen, Nase ans Fenster gedrückt. Mutters gesehen. Rein.

"Du siehst aber fertig aus. Ist irgendwas?"
Nööö.
"Paps lungert in der Stadt rum. Ruf ihn doch mal an."

Raus aus dem Geruch chemikalischer Lösungen und weg von Mundschutz tragenden Asiaten. Paps anrufen. Zur Post. Kaffeetrinken mit Paps.

"Du siehst aber... "
...fertig aus? Nur etwas müde.
"Ach so."

Plaudern. Kaffee. Reden. Ernst reden. Das Gefühl ihm zwar nichts konkretes sagen zu können, aber gut mit Paps klar zu kommen. Ernst reden können. Ernst genommen zu werden. Zu einem gewissen Grade zumindest. Kaffeetrinken mit Vater in einem kleinen Café ist seltsam.

"Hast Du heute nicht um 15h Termin beim Zahnarzt?" - Oh... ja... Mist.

Ein Blick auf die Uhr. Bißchen Zeit ist noch. Paps setzt diesen Blick auf. Den, den er immer aufsetzt, wenn er versucht in andere hineinzuschauen, aber nicht weiß, ob er fragen soll/kann/darf.

Ich muss dann auch los. Noch eine Zahnbürste besorgen....
"Hmm."

Er zahlt. Wir verlassen das Café. Immer noch dieser Blick. Er drückt mich. So fest. Ich geniesse es irgendwie.

"Ich hab Dich lieb, S., pass auf Dich auf" flüstert Paps.
Klar! rutscht es mir etwas zu überschwenglich und somit nicht gerade überzeugend heraus.

Ich drücke nochmal meine Nase an die Scheibe des Nagelstudios, winke meiner Mutter und werfe ihr eine Kusshand zu. Sie freut sich.
Bloss schnell umdrehen, bevor sie sehen, dass ich schon wieder anfange zu heulen...

Dienstag Part III

Bus gerade noch so erwischt.

Die Klinik. Irgendwie beängstigt mich der Anblick. Geduldig stelle ich mich an der Rezeption an.

Wo finde ich Fr. P.?
"..."
Danke.

Gänge. Fahrstuhl. Flure.
Die Sekretärin: "Fr. S. ist daaaa."
Schrille Stimme, aber wirkte dennoch sympathisch.
Fr. P. dann wirkte nicht nur so. Sie war es irgendwie auch.
Ich konnte mich des Eindrucks eines Bewerbungsgespräches nicht erwehren. Aber es lief gut. Heißt: zwei Wochen Tagesklinik. Die restlichen acht Wochen auf der E4.

Zwei Wochen sollten genügen, um nicht nur einen oberflächlichen Eindruck von der psychiatrischen
Abteilung gewinnen zu können. Vielleicht gefällt es mir. Mal sehen, wie es dann mit dem Fällen einer Entscheidung aussieht.

Warten auf den Bus. Wohin?

Dienstag Part II

Warten auf den Bus. Wohin?

Telefon. Die Klinik.

"Praktikum geht nicht. Kann Ihnen nur zwei Wochen anbieten." - Ich brauche aber 10. Ist auch egal auf welcher Station.

"Können Sie sonst nochmal langkommen?" - Bin auf dem Weg.

Also eben dahin. Bus in diese Richtung gerade weg. Halbe Stunde Zeit. Hmm. Kopieren. Ich muss noch Formulare kopieren. Schreibwarengeschäft. Zwei Mitschülerinnen. Ein knappes Hallo. Kopieren. Hinter mir ein Räuspern.

Hmm?
A. schaut mich etwas nervös an.
Was ist denn?
"Also... die Leute reden. In der Schule. Über Dich."
Innerlich Herzrasen, nach außen nur ein gleichgültiges: Und?

"Naja, was ist denn mit Dir? Kommst Du noch oder hast Du hingeschmissen? Die Lehrer reden auch..." - War heute da, aber die Telefonkette hat mich wohl ausgelassen.

Das kam etwas zu schnippisch rüber. A. ignoriert es freundlicherweise. Schweigen.

Naja, ich muss dann wieder. -
"Wo willst noch hin?" - Krankenhaus.
"Ist es etwas Ernstes?" platzt es aus ihr raus. - Joa... (warum hab ich ja gesagt?!?)

Egal. Sollen sie reden. Bus gerade noch so erwischt.

Dienstag Part I

Zwei Stunden Schlaf. Der Wecker klingelt schrill. Alles wirkt fremd, gähnende Leere in mir. Aufstehen. Fertigmachen. Zur Schule. Keine Ahnung warum, aber es funktioniert. Ich funktioniere. Vielleicht muss ich auch einfach nur aus der Wohnung raus. Ne halbe Stunde zu früh. Die Schule liegt dunkel auf der Kreuzung. Kein Licht in den Räumen, nur auf den Fluren. Streik. Sprich: kein Unterricht. Ich fühle, wie Tränen aufsteigen. Ich kann doch nicht nachhaus. Ich will nicht. Dann eben anders. Ins Sekretariat. Bewerbungsunterlagen holen. Formulare für Nachprüfungen. Ein leerer Raum. Unterlagen ausfüllen. Im Sekretariat abgeben. Der Klassenlehrerin über den Weg laufen. Mich kurz auf den Stand bringen lassen. Dann die befürchtete Frage:

"Wie geht es Ihnen? Was ist mit Ihrer Ausbildung?" - Gut. Nichts, was soll sein? War einfach nur krank.

Heulkrampf. Kaffeetrinken mit Lehrerin. Sie schob mir eine Nummer zu.

"Rufen Sie doch da mal an." - Hmm.

"Wie schaut es mit Ihrem Praktikum aus? Ich brauche noch die Bestätigung von der Einrichtung." - Hmm... ich kümmer mich...

Warten auf den Bus. Wohin?

...

Es geht in die Klinik. Na wer zuckt jetzt zusammen? Keine Angst, es geht nicht in dem Sinne in die Klinik. Mir fiel nur kein anderer Einstieg ein. Die letzten zwei Tage waren so überaus chaotisch, verängstigend, verletzend, nervraubend, schlaflos, voller Wut, Enttäuschung und Ausrastern - es gäbe etliche Worte sie zu beschreiben, aber ich will schlichtweg sagen - überfordernd. Zum Einen mein gescheiterter Versuch, zum Anderen sein angedrohter Versuch. Das Gefühl der Ohnmacht, absolut nichts tun zu können, geistig als auch körperlich vollkommen gelähmt zu sein.

Dienstag in kurz und unüberdacht...

Ich hätte zur Schule gemusst. Es ging nicht. Ich bin aufgestanden. Hab mich auch auf den Weg gemacht, mich dann jedoch auf dem Absatz wieder umgedreht und ins stille Kämmerchen geflüchtet. Noch ein "Gespräch". Gleicher Ablauf. Diese immense Entäuschung. Dieser Zorn auf mich selbst. Wie konnte ich nur so dumm sein, mich wiedermal auf die Versprechungen einzulassen? Ich hätte es wissen müssen. Der Gipfel der jahrelangen Streits wurde erreicht. Ich hab es tatsächlich gesagt. Ich habe tatsächlich gesagt "GEH!" Und ich glaube, zum ersten Mal habe ich es, in dem Moment als ich es sagte, tatsächlich ernst gemeint. So schlimm war es noch nie. Wirklich noch nie. Glaube ich zumindest. Ich hätte mich zerreißen wollen. Buchstäblich zerreißen; wußte nicht was zu tun, wohin mit mir. War nur froh, dass ich alleine in der WG war. Ein regelrechter Höllentrip, nahezu eine ausgewachsene Panikattacke. Zwei Stunden Schlaf.

...

Montag, 2. Februar 2009

...

Ich weiß nicht, was ich fühlen soll. Es kocht in mir. All diese Gefühle. Wut. Hass. Enttäuschung. Schmerz. Schuld. Hoffnung. Freundschaft. Mißtrauen. Liebe(?). Trauer. Angst. Vertrauen. Das Gefühl, versagt zu haben. Der Wunsch aufzugeben, endgültig zu verstummen. Der Wunsch zu explodieren und endlich mal zu schreien. Richtig zu explodieren und nicht immer nur diese "kleinen" Gefühlsausbrüche aus einem Chaos heraus geboren, die dann nach wenigen Stunden Schlaf irgendwie fremd und nicht zu mir zu gehören scheinen. Das Bedürfnis mich zu erklären. Der Drang mein Innerstes auszupacken und für andere verständlich zu machen. Der Wunsch Mauern zu bauen und mich dahinter zu verstecken.
Ich weiß nicht, was richtig, was falsch ist. Was echt und was nicht echt ist. Was Lüge oder was Wahrheit ist. Für mich fühlt sich alles gleich an. Oder gar nicht. Vor lauter gegensätzlichen Gefühlen, weiß ich einfach nicht, was ich fühlen soll.
Damals bin ich davor weggelaufen. Hab es beendet und mich in eine Scheinbeziehung geflüchtet. Doch nach Jahren hat es mich entgültig wieder eingeholt. Diesmal wollte ich bleiben. Aber auch das gelingt mir nicht. Ich kann nicht bleiben, ich kann nicht weglaufen. Ich kann nicht hassen, ich kann nicht lieben/mögen. Kann nicht kämpfen, kann nicht aufgeben. Und vor allem - ich kann nicht alles gleichzeitig. Es überschwemmt mich. Es reißt mich fort und der einzige Ausweg... doch was dann? Ist das nicht aufgeben? Hab ich dann nicht erst recht verloren? Oder habe ich dann für mich gewonnen? Der Gedanke ist der einzige, der sich ganz klar und deutlich in meinem Inneren abhebt. Inmitten des ganzen Gefühlschaos ist da dieser eine Gedanke. Einzig dieser eine, der mir einen Ausweg aus diesem Irrgarten verspricht.

Was soll ich fühlen? Welches Gefühl ist echt? Welches Gefühl ist es wert, gefühlt zu werden? Wieviel bin ich noch bereit zu geben? Was kann ich noch geben? Was ist wichtig? Wer bin ich? Was bin ich? Was will ich? Was fühle ich?

Ich kann mir selbst nicht trauen.

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