Donnerstag, 2. April 2009

*wirr*

Es war einmal ein Strumpf. Ein ziemlich verschlissener Strumpf. Mit großen Löchern und gerissenen Fäden. Innen schon lange nicht mehr wolligweich, viel mehr unschön fusselig. Und dann gab es da eine Socke. Eine ziemlich liebe Socke. Ein Socke, die stets ein offenes Ohr für den zerfetzten Strumpf hatte, wenn dieser es denn mal zuließ. Vor einiger Zeit besuchte der Strumpf die Socke, weil er zufällig in der Gegend war. Es war ein recht angenehmer Abend und der Strumpf musste zugeben, dass er mit der Zeit die Socke eigentlich sehr lieb gewonnen hatte. Kurz darauf erfuhr dieser manchmal durchaus blinde und naive Strumpf, dass die Socke den Strumpf auch lieb hatte. Bissl mehr lieb vielleicht sogar. Bissl mehr lieb als dem Strumpf vielleicht lieb war. Doch das Strümpfchen dachte sich nichts weiter dabei. Aber es begab sich, dass die Socke nach Straßburg fuhr. Zum Demonstrieren. Und nun erwischte sich der alte löchrige Strumpf, wie er Nachrichten verfolgte und nach Informationen suchte, wie die Demos wohl verliefen. Ob alles friedlich wäre und ob es auch ja nicht zu Ausschreitungen käme. Er hatte sich ertappt. Und zwar dabei, wie er sich Sorgen um das Söckchen machte. Und erst als dem Strumpf das auffiel, wurde ihm auch bewußt, wie sehr er sich über eine Nachricht von der Socke freute. Ja, der Strumpf hatte die Socke gern. Sehr gern. Lieb sogar. Aber so lieb? So lieb, dass der Strumpf sich Sorgen um das Wohlbefinden der Socke machte? So lieb, dass eine kleine Nachricht ein Lächeln in das verzerrte Bündchen des Strumpfes zaubern konnte? So lieb, dass der Strumpf sich solche Gedanken macht? Gedanken darüber macht, was es bedeuten mag, dass er sich solche Sorgen um die Socke macht? Der Strumpf ist etwas wirr... etwas mehr wirr sogar. Er erschrickt vor der Erinnerung an jenen Abend in dem Kneipchen, der so schön entspannt und unterhaltsam war. Vor der Erinnerung daran, dass dieser Abend überhaupt so schön war. Vor dem Gedanken, dass die Erinnerung irgendwie nervös macht und geradezu zu einem leisen Lächeln zwingt. Die Socke schenkte dem Strumpf Lilien. Dabei kann sich der Strumpf nicht wirklich entsinnen, der Socke mal erzählt zu haben, dass er Lilien so gerne mag. Aber die Socke brachte Lilien. Und irgendwie spürt der Strumpf in Gedanken daran ein seltsames Gefühl in der Gegend, in der wohl das versteinerte und vernarbte Herzchen zu vermuten wär. Doch statt sich vielleicht darüber zu freuen, bekommt er Angst. Einfach nur Angst. Und ein schlechtes Gewissen. Fühlt sich verunsichert. Traut ihm nicht. Diesem seltsamen Gefühl. Das ist doch bestimmt alles nur ein Trugbild. Ein Wunschdenken. Eine unerfüllte Sehnsucht. Danach jemanden lieb zu haben. Und von demjenigen gemocht und wahrgenommen zu werden. Von ihm Blumen, gar Lilien zu bekommen. Sich in dessen Gegenwart wohl zu fühlen. Entspannt ein zwei Staropramen zu genießen, dabei gemütlich die eine oder andere Zigarette zu rauchen und vor allem... sich in der Situation wirklich wohl zu fühlen. Zu erzählen. Sich zu unterhalten. Reden. Verstanden werden. Reflektiert werden. Sich angenommen fühlen. Ab und an auch gerade gerückt zu werden. Aber dieser olle zerfledderte Strumpf ist ein dummer Strumpf. Anstatt diese Erinnerung, diese Situation einfach zu genießen - grübelt er. Denkt nach. Dreht und wendet. Traut seinem Gefühl nicht. Galt dies denn wirklich der Socke? Hätte nicht jeder andere mit solch einem Verhalten gegenüber dem Strumpf dasselbe erreichen können? Sieht der Strumpf in der Socke wirklich die Socke oder vielleicht doch jemand anderen, von dem er sich all das, was dieser eine Abend bescherte und aus dem Strumpf für den Moment machte, gewünscht hätte? Ist der Strumpf überhaupt fähig jemand anderen zu sehen, abseits von Socken oder anderen? Oder dreht sich die strumpfige Welt nur um eine Person? Ist alles was passiert oder noch geschehen wird auf eine Person konzentriert? Kann der Strumpf seine kleine vermauerte Welt öffnen um diese eine Person hinaus und andere, zum Beispiel Socken, hineinzulassen? Ist der Strumpf dazu in der Lage? Ist der Strumpf mit all seinen Löchern dazu bereit? Will der Strumpf das? Oder wirft er lieber alle zusammen hinaus und bleibt für sich allein... allein mit seinen Sehnsüchten und Wünschen. Allein mit sich. Allein mit seinen Gefühlen. Nur um auf Nummer sicher zu gehen und sich nicht von sich selbst betrügen zu lassen. Sich nicht fragen zu müssen, ob er seinen Gefühlen trauen kann. Ob er sich trauen kann. Ob er anderen trauen kann. Ein Strumpf auf der Flucht vor sich selbst und seinen Gefühlen. Auf der Flucht vor seinen Sehnsüchten, Bedürfnissen und Träumen. Auf der Flucht vor allem und jedem. Vor allem vor sich selbst. Vor allem vor der Suche. Hinaus mit Euch! Hinaus mit Euch allen! Hinaus mit Dir, der Du mir so verdammt weh tatest und mich um mein Leben betrügtest und meine Liebe mit tanzenden Füßen zertreten hast. Mein Herz verwundet und meine Seele mißbraucht hast. Hinaus mit Euch allen, die mir versuchen zu nahe zu kommen! Ich traue Euch nicht! Ich traue mir nicht! Ich will allein sein! Ich MUSS allein sein! Ich... ich muss vergessen. Alles und jeden vergessen. Am besten auch mich selbst...

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